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Im „Westen“ ist jetzt der Lebensraum der Honigbiene mit dem der Menschen symbiotisch verflochten und die Biene ist in Bienenstöcken domestiziert.
Früher, vom steinzeitlichen Honigjäger an, war die Honigbiene heilig - wie Felsbilder, ägyptische Wandfresken, minoischer Schmuck und viele andere Hinweise zeigen. Das faszinierende Sozialleben der Bienen, das erst in letzter Zeit enträtselt wird, hat schon frühe Philosophen und Religionen beschäftigt.
Wachs war im Altertum ein Zauberstoff.
Zahlreiche Schriftsteller darunter Varro, Vergil, Columella, und Plinius befassten sich ausführlich mit der Biene.

Bei den Mysterien der Isis, des Dyonisos und auch im Mithraskult sah man im brennenden Licht die Anwesenheit eines Gottes und ein Mittel zur Erleuchtung.

Bei buddhistischen und hinduistischen Riten darf das Lichtopfer nicht fehlen.

Die Helenen glaubten mit dem Schwinden des Wachses würde das irdische Dasein vergehen und verbrannten deshalb Wachs nur im Tempel. Aus diesem Grund schien den Römern das Wachsopfer im Totenkult unerlässlich.

Wachslichter gehörten auch zu den Feiern der Saturnalien, die in Rom seit dem 5. Jahrhundert zwischen dem 17. und 23. Dezember vor Christus stattfanden.
Man feierte sehr ausgelassen und beschenkte sich gegenseitig. Die Sklaven gaben ihren Herren Cerei, einen in Wachs getauchten Rohrkolben, der mit Binsen oder Papyrus umwickelt war.

Das frühe Christentum lehnte anfangs Lichtopfer wegen der Nähe zum alten Götterglauben ab. Erst Konstantin (265-339 nach Chr.) führte Lichtopfer im römischen Stil in das Brauchtum der Kirche ein.

Die Ägypter sahen den Ursprung von Honig und Wachs in den Tränen des Gottes Re, ihre Bienen wurden als Haustiere in Tonröhren gehalten. Es gab Bienenzüchter, die tausende Völker hielten. Auch bei den Etruskern, Babyloniern, Assyrern, Mesopotamiern und den alten Griechen gibt es Überlieferungen der Bienenhaltung.

Im christlichen Kultus wird das Leben der „keuschen Biene“ zum Symbolbild der Maria. Das heilige, jungfräuliche Bienenwachs wird unentbehrlicher Lichtspender.
Die Kirche erhebt Wachszinse und der Verbrauch von Wachs nimmt ungeahnte Ausmaße an. Im 11. Jahrhundert wurde festgelegt, dass Altarkerzen aus reinem, gebleichtem Bienenwachs gemacht sein müssen.
Heute liegt der Bienenwachsanteil bei Altarkerzen meist nicht über 25%, keinesfalls ist er höher als 55% (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Schon im Altertum, aber vor allem im Mittelalter, gab es einen ausgedehnten überkontinentalen Wachsfernhandel.
Kerzen waren im Alltag selten, sie waren dem kultischen Gebrauch, dem Adel und reichen Bürgen vorbehalten.

Durch das Aufblühen der Städte hat sich im 11. Jahrhundert langsam das Gewerbe der Kerzenmacher herausgebildet. Ab 1450 kam es zur eigenen Zunft. Im Fernhandel wurde die Rückfracht oft mit Wachs bezahlt, es war als Zahlungsmittel oft beliebter als Bargeld.
Weitverbreitet waren Wachsbußen, selbst für kleine Vergehen wurden Wachsbußen verhängt , z.B. musste jemand in Greifenstein, der am Samstag nach dem Mittagsläuten im Weinberg arbeitete, der Kirche 1 Pfund Wachs abgeben.

Das Lichtopfer, also das Verbrennen von Kerzen, spielte eine außerordentliche Rolle und war oft genau geregelt.

An der Bahre eines Propstes, Schultheißes oder Ritters mussten in Aarau um 1483 4 Kerzen zu je 10 Pfund brennen. Bei anderen Adeligen 2 Kerzen zu je 10 Pfund. Die Abstufung zu gewöhnlichen Bürgern und Bürgerinnen geht stark nach unten.
Wollte jemand zum Zeichen der Wertschätzung mehr als die vorgeschriebenen Kerzen spenden, waren für jede Kerze 3 Reichstaler zu bezahlen.

Beim Tod hoher Persönlichkeiten wurden oft tausende Kerzen verbrannt. Anlässlich der Hochzeit von Maria Antonia wurden alleine die Innenräume des Schlosses Belvedere mit 7.000 Kerzen beleuchtet. Die Schloßkirche Wittenberg hatte zu Zeiten Luthers einen jährlichen Wachsverbrauch von 35.750 Pfund.
Ein Schreiner verdiente 24 Pfennige am Tag. 1 Pfund Wachs kostete 40 Pfennige, 1 Pfund Fleisch 4 Pfennige.

Die Kerze diente oft als Orakel für Liebe und Hochzeit, schnelles oder langsames Brennen, Tropfen oder gar Erlöschen wurden gedeutet.

Der Wachsstock

Der Wachsstock erfreute sich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert größter Beliebtheit. Die kleine, nicht rußende Flamme erlaubte einen sehr ökonomischen Abbrand des teuren Materials.
Er war ein beliebtes Beleuchtungsmittel und seine kleine, handliche Form erlaubte es, diese Kerze in jeder Tasche mitzunehmen und ohne Halterung zu gebrauchen. Entsprechend werden handliche Formen als „Taschenformen“ bezeichnet (wie „Taschenlampen“).

Neben den vielen Funktionen, die der Wachstock im Laufe der Jahre im kultischen Leben erfüllte, wurde er besonders im Advent zu den Engelämtern und an den Marienfeiertagen gerne gebraucht.

Als besonders wirksam galt der rote Wachsstock, der für die Frauen zu Maria Lichtmess geweiht wurde. In Oberbayern brannte der „Klag“ auch bei der Trauerfeier zur Hilfe für die arme Seele im Fegefeuer.
Wurde ein derartiger Wachsstock an einem Lichtmesstag geweiht, der auf einen Sonntag fiel, schrieb man ihm eine ganz besondere Wirkung zu: ein Stück von ihm war zum ständigen Schutz im Herrgottswinkel.

Ein besonderer Fetisch ist das „Neun Sonntag Wachs“:

Dieses Wachsstöckl wird zur Lichtmeßwachsweih getragen, wenn der Liebfrauentag auf einen Sonntag einfällt. Hat der Wachsstock einmal seine neun Lichtmeßsonntage voll so trägt er nach dem Volksglauben eine große Geheimkraft in sich, mit dem hochgeweihten Flämmlein vertreibt er bösen Feind vom Sterbebett und ist „die Hausperle“

Wachsstöcke gab es in Frankreich zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert in der beachtlichen Länge von Stadtmauern und wurden gegen Belagerung und Epidemien geopfert.

Limoges opferte anlässlich der Belagerung im Jahre 1183 eine Kerze von 3.300m Länge, Bethune im Jahre 1480 eine Kerze von 3.240m.
1635 verlobten sich die Bürger und Bürgerinnen von Riom mit der schwarzen Muttergottes von Marsat mit einer Kerze, deren Länge der Distanz ihres Ortes zum Wallfahrtsort entsprach.

In Nove Mesto (ehemalige Tschechoslowakei) fand bis 1930 alljährlich am Sonntag nach Mariahimmelfahrt das Wachsstockfest statt, das den französischen Lichtopfern des Mittelalters entsprach.

Auch einzelne Personen opferten Wachsstöcke einer bestimmten Länge. Man verlobte sich mit einer Kerze um den Leib, mit einem dreifachen Kranz um den Hals, mit einem Kranz um den Kopf oder dem Umfang des Hauses entsprechend.

Aus dem Wachsstock als „Verwahrstöckl“ reichlich verziert und schön geformt wurde in Österreich und Südbayern im 18./19. Jahrhundert ein Votiv, das aus Wallfahrtsorten mitgebracht und oft unter einem Glassturz verwahrt wurde.

Besonders zu Lichtmess wurde der Wachsstock gerne als Liebesgabe oder als im Brauchtum verankertes Geschenk gegeben, wie z.B. den Chorsängern. Knechte verschenkten ihn an Mägde fürs Bettenmachen, Dienstherren oft als Zugabe zum Jahreslohn.

Mit einem Wachsdraht umwickelte man Hände und Füße der Wöchnerinnen um das Neugeborene vor Behexung zu schützen.

Max Peinkofer berichtet über die Rorateämter um die Jahrhundertwende (19/20) in Tittling:
Das junge Mannsvolk drängt sich nach dem allgemeinen Brauch in das Dunkel der Empore und auf die Treppen die zur Orgel führen. Bald leuchtet ein Wachstock nach dem anderen auf, bis schließlich viele Hunderte von milden weißen Flammen das Gotteshaus in eine Lichterfülle tauchen, in einen weihevolles Schimmer, wie er durch noch so große und helle elektrisch Lampen nie erreicht werden wird.

Im alten Volksbrauch ist bei Maria Lichtmess der Wachsstock die wichtigste Kerze.
Im Berchtesgadener Land ließ man sich an Sebastiani (20.Jänner), dem Tag an dem die “Weibersleut“ weder putzen noch nähen durften, Wachsstöcke von der Länge ihrer Hände und Füße anfertigen.

In weiten Teilen Mitteleuropas gehörte der Wachsstock zur Brautausstattung. Die Brautmutter verschenkte je nach Vermögen als kostbarstes Brautgeschenk ein gewisses Gewicht an Wachsstöcken. Noch um 1900 war es eine wichtige Aufgabe des Brautführers, der Hochzeiterin auf Schritt und Tritt zu folgen und den oft verzierten und schon entflammten Wachsstock vor ihr auf die Kirchenbank zu stellen. Es wurde als unerhörte Beleidigung empfunden, wenn eine andere Person an diesem Licht ihre eigene Kerze angezündet hätte. Von der Hochzeit an begleitete der Wachsstock seine Besitzerin meist als Fetisch durch ihr ganzes Leben.

Sogenannte „Feuersprecher“ vergruben neben anderen Utensilien an den vier Ecken eines Gebäudes einen Wachsstock in die Grundmauer. Betete man das folgende Vierteljahr hindurch jeden Abend das Johannes Evangelium, war das Gebäude für immer vor jedem Feuer bewahrt. Weniger spitzfindige Menschen mauerten ein Stück von einem roten, geweihten Wachsstock als Feuerschutz über dem Türstock ein.

Zur Abwehr gegen Drud und Alb wurden aus einem geweihten roten Wachsstock Drudenfüße geformt. Während des Stillens legten sich nicht wenige Frauen einen aus Wachs gebildeten Drudenfuß auf die Brust.
In Kärnten erhielt die Tote ein sogenanntes Totenkranzl ins Haar gedrückt. Aus einem Stück von ihrem Wachsstock wurde ein Ring geformt.

Im Mühlviertel legte man der Toten von dem Wachsstock, den sie zu Lebzeiten nutzte, eine zu einem Kreuz gelegte Form in die Hände. In manchen Orten wurden aus dem Wachstock der Verstorbenen kleine Stücke geschnitten, zu Kreuzen geformt und um die Aufgebahrte aufgestellt. Mancherorts wurden die Kerzenstücke auch als „Sterbekerzerl“ zum Gottesdienst an die Trauergäste verteilt.